Heizung Absenktemperatur: Werte, Nutzen und Einsparung im Bestand


Die Absenktemperatur bei der Nachtabsenkung liegt in den meisten Bestandsgebäuden bei 16 bis 18 Grad Celsius, erreicht durch eine Reduzierung von 3 bis 5 Kelvin gegenüber der Tagestemperatur. Ob sich der Absenkbetrieb in einem Mehrfamilienhaus-Portfolio wirtschaftlich rechnet, hängt vom Gebäude und vom eingesetzten Wärmeerzeuger ab.
Für technische Verantwortliche in Wohnungsunternehmen zählt dabei weniger die pauschale Empfehlung aus dem Einfamilienhaus-Ratgeber als die Frage, ob eine portfolioweit gleiche Absenkkurve jedem Gebäude gerecht wird. Gerade bei Wärmepumpen kehrt sich der erwartete Spareffekt häufig um, weil der morgendliche Aufheiz-Peak mehr Energie kostet, als die Nacht zuvor eingespart wurde.
Zwischen fester Zeitschaltuhr und bedarfsgerechter Steuerung liegt für viele Bestandsportfolios ein zweistelliger Prozentsatz an Einsparpotenzial, den starre Einstellungen regelmäßig liegen lassen.
- Absenkwerte von 3 bis 5 Kelvin auf ein Niveau von 16 bis 18 Grad Celsius gelten in der Praxis als technisch sinnvoller Korridor.
- Die Mietrechtsprechung verlangt zwischen 23 und 6 Uhr durchgängig mindestens 18 Grad Celsius in bewohnten Räumen.
- In schlecht gedämmten Altbauten spart die Nachtabsenkung real 5 bis 10 Prozent Heizenergie, in Neubauten oft unter 3 Prozent.
- Digitale, bedarfsgerechte Heizungsoptimierung erschließt im Bestand laut Branchendaten 10 bis 20 Prozent Einsparung statt einer festen Absenkkurve.
Was ist die Absenktemperatur und wie unterscheidet sie sich vom Abschaltbetrieb?
Die Absenktemperatur bezeichnet die Raum- oder Vorlauftemperatur, auf die eine Heizungsanlage während der Nachtabsenkung reduziert wird, während Brenner und Heizkreispumpe im Absenkbetrieb weiterlaufen. Im Abschaltbetrieb dagegen sind Brenner und Heizkreispumpe vollständig ausgeschaltet, die Umschaltung zwischen beiden Zuständen erfolgt am Heizungsregler über den Parameter ECO/ABS oder eine Außentemperaturschwelle.
Technisch wird die Nachtabsenkung über eine zeitgesteuerte Parallelverschiebung der Heizkurve nach unten umgesetzt. Bei gleicher Außentemperatur liefert die Anlage dadurch eine niedrigere Vorlauftemperatur und damit eine niedrigere Raumtemperatur. Eingestellt werden dafür an der zentralen Heizungsregelung zwei Werte: die Absenkzeit, etwa von 22 bis 5 Uhr, und die Absenktemperatur beziehungsweise der Grad der Kurvenverschiebung.
In der Praxis hat sich eine Reduzierung um 3 bis 5 Kelvin gegenüber der Tagestemperatur als moderater, praxisüblicher Wert etabliert. Das übliche Absenkniveau liegt damit bei 16 bis 18 Grad Celsius. Vaillant empfiehlt, die Nachttemperatur nicht unter 16 Grad Celsius fallen zu lassen, da darunter das Risiko für Schimmelbildung und Tauwasser an kalten Bauteilen steigt.
Absenkbetrieb versus Abschaltbetrieb: Im Absenkbetrieb läuft die Anlage mit reduzierter Leistung weiter und hält die Wärmeverteilung im Gebäude aufrecht. Im Abschaltbetrieb ruht die Anlage vollständig, was bei ungedämmten Rohrleitungen oder in kalten Nächten zu einem stärkeren Auskühlen einzelner Wohnungen führen kann.
Welche rechtlichen Grenzen setzt das Mietrecht der Nachtabsenkung im Bestand?
Für vermietete Wohngebäude gilt nach etablierter Rechtsprechung, dass tagsüber zwischen 6 und 23 Uhr mindestens 20 Grad Celsius und nachts zwischen 23 und 6 Uhr mindestens 18 Grad Celsius erreichbar sein müssen. Eine Nachtabsenkung darf diese Werte an keiner Stelle unterschreiten, unabhängig davon, welche Absenkkurve am Regler hinterlegt ist.
Zusätzlich schreibt § 61 GEG vor, dass Zentralheizungen mit einer selbsttätigen Regelung ausgestattet sein müssen, die die Wärmezufuhr sowohl von der Außentemperatur als auch von der Zeit abhängig macht. Für Bestandsanlagen ohne witterungs- oder zeitgeführte Regelung war die Nachrüstung bereits bis zum 30. September 2021 verpflichtend, sodass eine rein manuell gesteuerte Heizkurve im Mehrfamilienhaus-Bestand längst nicht mehr dem geforderten Standard entspricht.
Wie eng dieser rechtliche Rahmen in der Praxis ausgelegt wird, zeigt ein Fall aus Köln, in dem eine zu aggressive Nachtabsenkung zum rechtlichen Problem wurde.
Fall aus der Praxis: Das Amtsgericht Köln verurteilte eine Vermieterin dazu, die Heizung so einzustellen, dass auch nachts durchgängig 18 Grad Celsius erreichbar sind. Eine Nachtabsenkung zwischen 0 und 6 Uhr hatte zuvor zu Wohnungstemperaturen von nur 16 bis 17 Grad Celsius am Morgen geführt.
Wann spart die Nachtabsenkung im Mehrfamilienhaus wirklich Energie?
Die Nachtabsenkung spart bei klassischen Heizkörpersystemen in schlecht gedämmten Altbauten real etwa 5 bis 10 Prozent Heizenergie. In gut gedämmten Neubauten liegt der Effekt dagegen häufig unter 3 Prozent, weil das Gebäude nachts kaum auskühlt und entsprechend wenig Wärme nachgeliefert werden muss.
Ausschlaggebend sind Wärmedämmung und Speichermasse des Gebäudes. Je schlechter die Dämmung und je geringer die Speichermasse, desto stärker profitiert ein Gebäude von der Absenkung, weil die Raumtemperatur nachts spürbar sinkt und die eingesparte Wärmemenge entsprechend groß ausfällt. Bei guter Dämmung und hoher Gebäudemasse bleibt dieser Effekt gering.
Auch der Anlagentyp entscheidet mit. Heizkörper reagieren innerhalb von 1 bis 2 Stunden auf eine veränderte Vorlauftemperatur, eine Fußbodenheizung braucht wegen der thermischen Trägheit des Estrichs 3 bis 4 Stunden für denselben Effekt. Sowohl das nächtliche Auskühlen als auch das morgendliche Wiederaufheizen verlaufen bei Fußbodenheizungen entsprechend träge, wodurch die klassische Nachtabsenkung hier meist wenig bewirkt.
Am kritischsten ist die Situation bei Wärmepumpen. Ihre Effizienz sinkt mit steigendem Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Vorlauftemperatur, und das morgendliche Wiederaufheizen fällt ausgerechnet in die kältesten Stunden vor Sonnenaufgang. Bei einer klassischen, starken Absenkung kehrt sich der erwartete Effekt deshalb häufig um: Statt Energie zu sparen, zieht die Anlage am Morgen mehr Strom für die Aufheizung, als in der Nacht zuvor eingespart wurde.
Wärmepumpen-Regel: Bei Wärmepumpen sollte die Absenkung laut Herstellerempfehlungen auf maximal 1 bis 2 Grad Celsius begrenzt oder ganz weggelassen werden. Sonst sinken Jahresarbeitszahl und Leistungszahl der Anlage spürbar.
Warum ist eine portfolioweit gleiche Absenkkurve per Zeitschaltuhr zu grob?
Eine einzelne Absenkkurve, die per Zeitschaltuhr auf ein ganzes Gebäudeportfolio angewendet wird, passt selten zu jedem einzelnen Objekt. Dämmstandard und Gebäudemasse unterscheiden sich von Liegenschaft zu Liegenschaft, ebenso der Anlagentyp und die tatsächliche Nutzung durch die Bewohnerinnen und Bewohner. Eine feste Uhrzeit und ein fester Absenkwert können diese Unterschiede nicht abbilden.
Wie groß die Lücke zwischen aktueller Praxis und technischem Potenzial ist, zeigen aktuelle Marktdaten. Digitale Heizungsmonitoring- und Optimierungslösungen sind laut einer dena/KEDi-Umfrage erst in gut 4,4 Prozent der Wohneinheiten in deutschen Mehrfamilienhäusern im Einsatz, wachsen aber mit über 50 Prozent pro Jahr. Fachleute der dena gehen davon aus, dass sich durch digitale, bedarfsgerechte Heizungsoptimierung im Bestand 10 bis 20 Prozent Energie einsparen lassen, ohne dass dafür bauliche Maßnahmen nötig sind.
Ein hydraulischer Abgleich und eine überarbeitete Reglerparametrierung heben oft zusätzliches Sparpotenzial, das eine reine Absenkkurve gar nicht erfasst. Diese Hebel deckt die Heizungsoptimierung im Bestand systematisch mit ab, bevor überhaupt über die Absenktemperatur einzelner Gebäude entschieden wird.
Wie bestimmt ein digitaler Gebäudezwilling die richtige Absenktemperatur automatisiert?
Ein digitaler Gebäudezwilling bestimmt die passende Absenktemperatur automatisiert, indem er Verbrauchsdaten, Wetterprognosen und Nutzungsverhalten des jeweiligen Gebäudes kombiniert, statt mit einer starren, manuell eingestellten Heizkurve zu arbeiten. Genau darauf setzt KUGU EOS (Energie-Optimierungssystem) Temperaturführung: Die Steuerung wird für jedes Gebäude individuell berechnet und laufend angepasst, unabhängig vom Anlagenhersteller.
Ein Bestandsbau aus den 1980er-Jahren lässt sich über einen solchen digitalen Zwilling energieeffizient steuern, ohne dass am Gebäude selbst etwas verändert werden muss, wie die digitale Heizungsoptimierung durch den digitalen Zwilling im Detail beschreibt. Wetterprognosen und Nutzungsverhalten fließen dabei automatisiert in die Steuerung ein, ähnlich wie es auch die KI-gestützte Energieoptimierung als schnellsten Hebel für wirtschaftliche Effizienz im Bestand beschreibt.
Für die KUGU EOS Temperaturführung gilt herstellerseitig ein durchschnittliches Einsparpotenzial von über 20 Prozent bei Energie, Kosten und CO₂, bei 12 Prozent garantierter Einsparung. Wie sich das im laufenden Betrieb niederschlägt, zeigt ein Pilotprojekt mit der Gewobag über 10 Objekte und 1.055 Heiztage: 313.039 kWh Energie und 21.915 Euro Energiekosten wurden eingespart. Zusätzlich fielen 62,9 Tonnen CO₂ weniger an, im Schnitt eine Einsparung von 23 Prozent. Das Projekt wurde danach auf über 300 Objekte ausgeweitet.
Kontrolle statt Blindflug: KUGU VIS (Visuelles-Informationssystem) Betriebstransparenz macht die Ergebnisse einer solchen automatisierten Steuerung sichtbar. Zählerstände, Temperatur- und Verbrauchswerte laufen in Echtzeit zusammen, Fehler und Ineffizienzen werden erkannt, ohne dass eine Begehung vor Ort nötig ist.
Wiederkehrende Kosten für eine solche prädiktive, digitale Steuerung und Überwachung lassen sich zudem nach § 7 Abs. 2 Heizkostenverordnung auf die Betriebskosten umlegen. Für Wohnungsunternehmen verschiebt das die Wirtschaftlichkeitsrechnung zusätzlich zugunsten der automatisierten Temperaturführung.
Von der pauschalen Faustregel zur gebäudespezifischen Steuerung
Der rechtliche Mindestwert von 18 Grad Celsius in der Nacht und der technisch empfohlene Absenkkorridor von 16 bis 18 Grad Celsius liegen nur 0 bis 2 Grad auseinander. Wer diesen schmalen Spielraum per Zeitschaltuhr und Erfahrungswert trifft, verlässt sich auf eine Schätzung, die je nach Wetterlage und Gebäudezustand daneben liegen kann.
Für ein einzelnes Gebäude mag eine grobe Einstellung über Jahre gutgehen. Über ein Portfolio mit unterschiedlichem Baujahr, unterschiedlicher Dämmung und unterschiedlichen Wärmeerzeugern summiert sich die Differenz zwischen grober Schätzung und tatsächlichem Bedarf zu einem messbaren Kostenblock.
Der nächste sinnvolle Schritt für technische Verantwortliche ist deshalb, die Absenktemperatur nicht mehr manuell pro Gebäude zu pflegen, sondern durch einen digitalen Gebäudezwilling laufend berechnen und über eine Betriebstransparenz-Lösung kontrollieren zu lassen.
Häufige Fragen zur Absenktemperatur im Bestand
Wie tief darf die Nachttemperatur in vermieteten Wohnungen laut Rechtsprechung mindestens sinken?
18 Grad Celsius müssen zwischen 23 und 6 Uhr in bewohnten Räumen durchgängig erreichbar sein. Tagsüber, zwischen 6 und 23 Uhr, gilt ein Mindestwert von 20 Grad Celsius. Eine Nachtabsenkung darf diese Grenzen an keiner Stelle unterschreiten, auch nicht kurzzeitig in den frühen Morgenstunden.
Wie lange dauert das Wiederaufheizen nach der Nachtabsenkung bei Heizkörpern und bei Fußbodenheizung?
Heizkörper reagieren innerhalb von 1 bis 2 Stunden auf die erhöhte Vorlauftemperatur nach der Absenkung. Eine Fußbodenheizung braucht wegen der Speichermasse des Estrichs etwa 3 bis 4 Stunden, bis die Räume wieder die Zieltemperatur erreichen. Deshalb wirkt die klassische Nachtabsenkung bei Fußbodenheizungen deutlich schwächer.
Warum sinkt die Effizienz von Wärmepumpen bei einer klassischen Nachtabsenkung?
Die Effizienz einer Wärmepumpe sinkt, weil sie mit steigendem Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Vorlauftemperatur mehr Strom für dieselbe Wärmemenge braucht. Das morgendliche Wiederaufheizen fällt zudem in die kältesten Stunden des Tages, wenn dieser Unterschied am größten ist. Jahresarbeitszahl und Leistungszahl fallen dadurch spürbar ab.
Muss eine ältere Heizungsanlage im Bestand technisch auf witterungsgeführte Regelung nachgerüstet werden?
Ja, § 61 GEG schreibt für Zentralheizungen eine selbsttätige Regelung vor, die die Wärmezufuhr von Außentemperatur und Zeit abhängig macht. Für Bestandsanlagen ohne eine solche Regelung war die Nachrüstung bereits bis zum 30. September 2021 verpflichtend. Eine rein manuell eingestellte Heizkurve genügt diesem Standard nicht mehr.
Lassen sich die Kosten für automatisierte Temperaturführung auf die Betriebskosten umlegen?
Ja, wiederkehrende Kosten für eine prädiktive, digitale Steuerung und Überwachung der Heizungsanlage können nach § 7 Abs. 2 Heizkostenverordnung auf die Betriebskosten umgelegt werden. Das gilt unabhängig davon, ob die Lösung herstellergebunden oder herstellerunabhängig arbeitet. Für Wohnungsunternehmen verbessert das die Wirtschaftlichkeit gegenüber rein manuellen Einstellungen.