SHK-Branche 2026: Struktur, Zahlen und Herausforderungen

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SHK-Branche 2026: Struktur, Zahlen und Herausforderungen
Vernetzte Heizzentralen bundesweit: Weniger Verbrauch, Kosten und CO₂ im Gebäudebestand.

Die SHK-Branche ist 2026 ein großer, aber angespannter Markt: Das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk verliert an Dynamik und bleibt trotzdem der Flaschenhals der Wärmewende im Gebäudebestand. Für Wohnungsunternehmen und Bestandshalter heißt das, Handwerkstermine strategisch zu planen und digitale Betriebsoptimierung zu nutzen, die ohne Bautrupp Einsparungen von im Schnitt über 20 % ermöglichen kann.

Die SHK-Branche 2026 wird geprägt durch: strukturellen Fachkräftemangel, wachsende Wärmepumpen-Nachfrage und regulatorische Übergänge beim Heizungstausch.

  • Das SHK-Handwerk zählt rund 48.000 Betriebe mit etwa 390.000 Beschäftigten und rund 59,1 Mrd. Euro Umsatz 2025.
  • Der Auftragsbestand liegt bei 11,5 Wochen, doch 44 % der Betriebe arbeiten an der Kapazitätsgrenze.
  • Bis 2030 scheiden rund 30.000 Fachkräfte aus, die Ausbildung wächst kaum.
  • Seit 29. Juli 2026 gilt das GModG: Die 65-%-Pflicht entfällt, der hydraulische Abgleich ab sechs Wohneinheiten bleibt.

Was SHK bedeutet und wo die Branche beginnt und endet

SHK steht für Sanitär, Heizung, Klima und bezeichnet im engeren Sinn das Handwerk, das diese Anlagen in Gebäuden einbaut, wartet und instand hält. Rechtlicher Kern ist das meisterpflichtige Installateur- und Heizungsbauerhandwerk. Der zentrale Ausbildungsberuf ist der Anlagenmechaniker oder die Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Zum Leistungsspektrum der Fachbetriebe gehören typischerweise:

  • Sanitär mit Trinkwasser- und Abwasserinstallation sowie Badsanierung
  • Heizung mit Einbau, Tausch von Wärmeerzeugern, Wärmeverteilung, Wartung und hydraulischem Abgleich
  • Klima und Lüftung mit Lüftungsanlagen und Klimageräten

Im weiteren Sinn zählen auch Hersteller und Großhandel zur SHK-Branche. Genau hier entstehen die meisten Missverständnisse: Verbandszahlen des ZVSHK beziehen sich auf das Handwerk, Kennzahlen des BDH auf die Heizungsindustrie. Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) ist dagegen der Oberbegriff aus der Planung und umfasst neben SHK auch Elektrotechnik, Gebäudeautomation und Fördertechnik. „Haustechnik" ist meist die umgangssprachliche Variante davon. Wer Leistungen ausschreibt, benennt daher besser das konkrete Gewerk als den Sammelbegriff.

Dreistufiger Vertriebsweg: Hersteller verkaufen an den Fachgroßhandel, der die Betriebe beliefert. Der Fachbetrieb verkauft und installiert beim Auftraggeber. Lieferzeit und Endpreis eines Heizungstauschs setzen sich aus drei Stufen zusammen, von denen der Auftraggeber nur die letzte direkt verhandelt.

Wie groß ist die SHK-Branche 2026? Betriebe, Beschäftigte, Umsatz, Auftragslage

Das SHK-Handwerk umfasst rund 48.000 Betriebe mit etwa 390.000 Beschäftigten und hat 2025 rund 59,1 Milliarden Euro umgesetzt. Laut der ZVSHK-Konjunkturumfrage vom Frühjahr 2026 unter rund 1.690 Innungsbetrieben verliert die Branche spürbar an Dynamik.

KennzahlWertQuelleStand
Betrieberund 48.000ZVSHK-BilanzMai 2026, Geschäftsjahr 2025
Beschäftigteetwa 390.000ZVSHK-BilanzMai 2026, Geschäftsjahr 2025
Umsatzrund 59,1 Mrd. Euro, leicht unter VorjahrZVSHK-BilanzGeschäftsjahr 2025
Geschäftslage-Indikator+36,4 %, rückläufigZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026
Geschäftserwartungen−7,4 %ZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026
Auftragsbestand11,5 Wochen, rund 4 Wochen unter VorjahrZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026
Betriebe mit Umsatzplus / -minusrund 14 % / rund ein DrittelZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026
Betriebe an oder über Kapazitätsgrenze44 %ZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026
Umsatzanteil Bestandsgeschäftüber 83 %ZVSHK-KonjunkturumfrageApril 2026

Der Rückgang hat eine Vorgeschichte. Bereits 2024 sank der Umsatz erstmals nach zehn Wachstumsjahren von 61,9 auf gut 59 Milliarden Euro. Dies wurde getrieben von schwacher Neubautätigkeit und einer halbierten Nachfrage nach neuen Heizungen.

Für Auftraggeber ist der scheinbare Widerspruch entscheidend: Auftragsbücher dünner, trotzdem arbeitet fast jeder zweite Betrieb am Limit. Der Grund liegt im Bestandsgeschäft. Sanierung im laufenden Gebäude ist personalintensiv und schlecht planbar. Sie bindet genau die Monteure, die fehlen. Etwas mehr Verhandlungsspielraum entsteht, eine echte Entspannung nicht.

Warum der Fachkräftemangel die Wartezeiten diktiert

Der Engpass ist strukturell: Bis 2030 scheiden nach Verbandsangaben rund 30.000 SHK-Fachkräfte alters- oder krankheitsbedingt aus, während die Ausbildung kaum wächst. 2025 waren im Beruf Anlagenmechaniker SHK 40.770 Auszubildende registriert, ein Plus von 316 gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt die ZVSHK-Jahresbilanz 2025.

Die Lücke in zwei Zahlen: 316 zusätzliche Auszubildende in einem Jahr stehen rund 30.000 erwarteten Abgängen bis 2030 gegenüber. Diese Differenz schließt kein Konjunkturtief.

Dass inzwischen nur noch rund die Hälfte der Betriebe offene Stellen meldet (vor fünf Jahren deutlich mehr), ist kein Zeichen der Entwarnung. Es spiegelt vor allem die nachlassende Auftragslage. Zieht die Nachfrage wieder an, trifft sie auf eine schrumpfende Belegschaft.

Hinzu kommt die Nachfolge. Von den Inhabern über 60 Jahre arbeitet nur knapp ein Drittel aktiv an der Übergabe. 54 % nennen das Fehlen eines geeigneten Nachfolgers als Hauptproblem, weit vor Finanzierungs- und Bewertungsfragen mit 26 %. Für Bestandshalter heißt das: Der Wartungspartner kann ohne Vorlauf vom Markt verschwinden.

Die Folgen für Auftraggeber sind konkret. Ein Auftragsbestand von 11,5 Wochen bedeutet im Schnitt drei Monate Vorlauf bis zum Arbeitsbeginn. Knappe Betriebe priorisieren Bestandskunden mit Wartungsvertrag und planbare Großaufträge. Einzelanfragen und kleine Reparaturen bekommen später Termine oder höhere Angebote. Was den Preis treibt, sind vor allem Stundenverrechnungssätze, Anfahrts- und Koordinationsaufwand sowie Materialpreise aus der Lieferkette.

Wärmepumpen-Hochlauf: Treibt die Wärmewende die Nachfrage wirklich?

Ja, messbar. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut gemeinsamer Absatzstatistik von BWP und BDH rund 195.000 Wärmepumpen abgesetzt, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur im ersten Halbjahr 2023 lag der Wert mit rund 196.500 Geräten knapp höher.

Das Gesamtjahr 2025 war bereits ein Wendepunkt. Mit 299.000 Geräten und einem Marktanteil von 48 % war die Wärmepumpe laut BWP-Branchenstudie 2026 erstmals das meistverkaufte Heizungssystem in Deutschland. Der Feldbestand wuchs auf 1,9 Millionen Anlagen.

Für 2026 gibt es keine verlässliche Einzelzahl. Der BWP rechnete im März 2026 in seinem aktualisierten Basisszenario mit 332.500 Geräten und in einem optimistischen Szenario mit bis zu 403.000. Ende November 2025 lagen die Erwartungen noch bei bis zu 430.000 Geräten (damals unter der Annahme stabilen Ordnungsrechts). Die gedämpften Erwartungen gehen vor allem auf den Wegfall der 65-%-Pflicht zurück.

Die Halbjahreszahl liefert die bessere Orientierung: Sie entspricht bereits knapp 60 % des vorsichtigen Szenarios. Für das Handwerk ist der Hochlauf Chance und Belastung zugleich. Jede Wärmepumpe im Bestand braucht Auslegung, Abgleich und eine sauber eingestellte Regelung. Welche Heizungstechnologie im jeweiligen Bestand wirtschaftlich passt, entscheidet mit darüber, wie schnell Portfolios umstellen.

GModG, Wärmeplanung und hydraulischer Abgleich: Was 2026 rechtlich gilt

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es ersetzt das bisherige GEG und ordnet dasselbe Stammgesetz in fünf Zeitstufen neu. Die 65-%-Pflicht beim Heizungstausch weicht einem Optionenkatalog und einer gestaffelten Bioanteilspflicht für fossile Kessel.

FristPflicht oder ÄnderungStand und Bedeutung für Bestandshalter
seit 29.07.2026GModG ersetzt GEG, 65-%-EE-Pflicht und Austauschpflicht für 30 Jahre alte Öl- und Gasheizungen entfallenOptionenkatalog und gestaffelte Bioanteilspflicht für fossile Kessel
01.01.2027zweite Umsetzungsstufe des GModGHeizungsentscheidungen für 2027 am dann gültigen Stand ausrichten
30.06.2026Wärmepläne der rund 83 Großstädte über 100.000 Einwohneralle liegen vor, der Plan selbst ist rechtlich unverbindlich
30.06.2028Wärmepläne der übrigen rund 10.700 KommunenEnde Juli 2026 waren 3.523 von 10.754 Plänen abgeschlossen, vereinfachtes Verfahren für Gemeinden unter 10.000 Einwohnern
nach jedem Heizungstauschhydraulischer Abgleich ab sechs Wohneinheiten (§ 60c)Mieter können eine schriftliche Bestätigung verlangen
30.09.2027Heizungsprüfung für Anlagen mit Einbau vor dem 01.10.2009 (§ 60b)größte anstehende Prüfwelle im Bestand
16 Jahre nach EinbauHeizungsprüfung für Anlagen mit Einbau 2009 bis 2014Anlagen aus 2010 sind 2026 fällig
2 Jahre nach InbetriebnahmePrüfung von Wärmepumpen ab Baujahr 2015wächst mit jedem neuen Gerät mit
2028 / 2030Nullemissionsstandard für öffentliche Nichtwohngebäude / alle Neubautenbetrifft Neubauprojekte

Verstöße gegen die Pflichten aus §§ 60a bis 60c können mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Die gute Nachricht: Die Fristenstaffel ist lange bekannt und damit planbar. Wer Anlagen sortiert und Prüfungen bündelt, sichert sich Termine, bevor die Welle bis September 2027 auf ein ausgelastetes Handwerk trifft.

Wo das Handwerk endet und der digitale Gebäudebetrieb beginnt

Der SHK-Fachbetrieb leistet punktuelle Eingriffe: Einbau, Wartung, hydraulischer Abgleich, Störungsbehebung. Was zwischen zwei Terminen passiert, also wie eine Anlage an 365 Tagen tatsächlich läuft, liegt außerhalb seines Auftrags. Genau dort setzt digitaler Gebäudebetrieb an.

Laufender Betrieb heißt: Heizkurven, Vorlauftemperaturen und Laufzeiten werden kontinuierlich an Gebäude, Wetter und Nutzung angepasst, statt einmal eingestellt und dann vergessen. Das ergänzt das Handwerk, ersetzt es aber nicht. Und es wirkt ohne Bautrupp und ohne freie Handwerkskapazität.

Eine Option dafür ist KUGU EOS, das Energie-Optimierungssystem der KUGU Energieplattform. EOS erstellt einen digitalen Gebäudezwilling aus Gebäudeeigenschaften, Wetterdaten, Nutzungsmustern und Anlagenverhalten. Die Heizung wird auf dieser Basis automatisiert und bedarfsgerecht gesteuert. Die Lösung arbeitet herstellerunabhängig mit der vorhandenen Anlage, erreicht über 20 % Einsparung und garantiert 12 %. Für Wärmepumpen verbindet EOS Strompreisdynamik den Heizbetrieb zusätzlich mit dynamischen Stromtarifen.

Transparenz liefert KUGU VIS, das Visuelle-Informationssystem. VIS bereitet Betriebszustände, Verbräuche und Auffälligkeiten über Gebäude und Portfolios auf. VIS Anlagendiagnose macht technische Störungen und Ineffizienzen sichtbar. Im Einsatz sind beide Systeme heute bei 3.500 Anlagen, rund 1.000.000 angebundenen Geräten und Sensoren sowie 400.000 Wohneinheiten, mit bislang 45 Millionen kWh und 8.000 Tonnen CO₂ Einsparung.

Wissenswert: Digitaler Betrieb verschiebt die Arbeit des Handwerks vom Suchen zum Beheben. Ist eine Störung vor dem Termin diagnostiziert, kommt der Monteur mit dem passenden Teil und der richtigen Aufgabe, und jede knappe Technikerstunde fließt in die Lösung.

Lösungen für digitale Heizungsoptimierung bieten mehrere Anbieter, etwa Green Fusion oder othermo. KUGU deckt mit EOS die automatisierte Steuerung und mit VIS das Monitoring samt Anlagendiagnose ab. Bei der Auswahl zählen Herstellerunabhängigkeit, eine vertraglich zugesicherte Einsparung sowie die Anbindung an bestehende Systeme. Sinnvoll ist es, solche Betriebshebel vor größeren Investitionen zu setzen: Die gewonnenen Betriebsdaten sichern die spätere Auslegung neuer Wärmeerzeuger ab und helfen, Dekarbonisierungsmaßnahmen im Bestand zu priorisieren.

Was Bestandshalter aus der Marktlage 2026 machen können

Fachkräftemangel, Wärmepumpen-Nachfrage und Regulatorik-Übergang verstärken sich gegenseitig. Jede neue Wärmepumpe und jede fällige Heizungsprüfung bindet dieselben Monteure, deren Zahl bis 2030 sinkt. Wer wartet, bis das Handwerk wieder Luft hat, verliert Jahre, in denen Energiekosten und CO₂-Emissionen weiterlaufen.

Der nächste Schritt ist eine Bestandsaufnahme, bevor die nächste Sanierungswelle ansteht. Welche Anlagen liefern heute keine Betriebsdaten? Welche stehen bis September 2027 zur Prüfung an? Wo liegt der Verbrauch deutlich über dem Portfolioschnitt? Mit diesen drei Antworten wissen Sie, wo digitale Optimierung sofort wirkt und wo Sie Handwerkskapazität frühzeitig binden müssen. Beginnen Sie mit den Anlagen ohne Betriebsdaten: Jede Messreihe, die dort entsteht, verbessert die laufende Optimierung und macht die nächste Ausschreibung an den SHK-Betrieb präziser.

Häufige Fragen zur SHK-Branche

Woher stammen die Kennzahlen zur SHK-Branche, und wie vergleichbar sind sie?

Vom ZVSHK, dessen Konjunkturumfrage sich auf Innungsbetriebe stützt. Amtliche Handwerksstatistiken grenzen Betriebe und Beschäftigte nach eigenen Kriterien ab und können daher andere Werte liefern. Nennen Sie in Gremienvorlagen deshalb immer Quelle und Datenstand und mischen Sie beide Reihen nicht in einer Grafik.

Was bedeutet der Wärmepumpen-Hochlauf für die Wartungskapazitäten?

Mehr Pflichttermine: Wärmepumpen ab Baujahr 2015 müssen zwei Jahre nach Inbetriebnahme geprüft werden. Bei 1,9 Millionen Anlagen im Feld und knapp 300.000 neuen Geräten allein 2025 wächst ein Sockel an Prüfungen, der dieselben Fachkräfte bindet wie Neuinstallationen.

Muss ich sofort handeln, wenn meine Kommune einen Wärmeplan vorgelegt hat?

Nein. Der Wärmeplan löst keine Pflicht zum Heizungstausch aus. Konkrete Vorgaben entstehen erst, wenn die Kommune ein Grundstück förmlich als Ausbaugebiet für ein Wärme- oder Wasserstoffnetz ausweist. Als Planungsgrundlage für anstehende Heizungsentscheidungen sollten Sie ihn trotzdem nutzen.

Wann gilt die Pflicht zum hydraulischen Abgleich?

Nach dem Einbau einer neuen Heizungsanlage in Gebäuden ab sechs Wohneinheiten, so regelt es § 60c. Die pauschalen Fristen aus der befristeten Verordnung EnSimiMaV sind ausgelaufen, für Bestandsanlagen greift stattdessen die Heizungsprüfung nach § 60b.

Wann sollte digitale Optimierung bei einem geplanten Heizungstausch starten?

Vor dem Tausch: Betriebsdaten aus dem laufenden Monitoring geben dem SHK-Betrieb eine belastbare Grundlage für Auslegung und Abgleich. Nach dem Umstieg auf eine Wärmepumpe koppelt EOS Strompreisdynamik den Betrieb an günstigere Strompreisphasen.

Woran erkenne ich, ob ein Engpass bei meinem Dienstleister Marktenge oder Fachkräftemangel ist?

Am Muster der Absagen: Lehnt ein Betrieb trotz sinkender Auftragslage Wartungen und Kleinaufträge ab, fehlen ihm Monteure. Verzögern sich nur Neuinstallationen, während der Service läuft, liegt es eher an Nachfragespitzen oder Lieferketten. Fragen Sie direkt nach Teamgröße und Nachfolgeplanung.