Strompreisoptimierung für Heizungen: So senken Sie Kosten


Strompreisoptimierung für Heizungen bedeutet, den Betrieb von Wärmepumpen, Speichern und Umwälzpumpen gezielt an günstige Stunden des Strommarkts zu koppeln. Für Wohnungsunternehmen senkt das die Stromkosten im Heizbetrieb messbar, wenn Anlage, Datenverfügbarkeit und Nebenbedingungen wie der Legionellenschutz zusammenpassen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, bleibt der Effekt gering.
Für einzelne Einfamilienhäuser ist das inzwischen gut dokumentiert. Für ein Portfolio aus mehreren Mehrfamilienhäusern mit zentraler Wärmeerzeugung, gemeinsamer Warmwasserbereitung und unterschiedlichen Anlagentypen sieht die Rechnung anders aus.
Bei einem Portfolio hängt der wirtschaftliche Nutzen vor allem an zwei Dingen: wie gut sich die Anlage steuern lässt und wie viel Wärme sie zwischenspeichern kann. Hinzu kommen die Komfortpflichten, die Sie gegenüber Ihren Mieterinnen und Mietern einhalten müssen.
Drei Fragen entscheiden darüber, ob sich Strompreisoptimierung für ein Wohnungsportfolio überhaupt lohnt und in welcher Größenordnung:
- Verfügt die Anlage über ausreichend Speichermasse, um Preisspitzen ohne Komfortverlust zu überbrücken?
- Liegen viertelstündliche Verbrauchsdaten vor, mit denen sich Preissignale und Anlagenverhalten überhaupt verknüpfen lassen?
- Sind zentrale Nebenbedingungen wie Legionellenschutz und Mieterkomfort technisch klar hinterlegt, bevor automatisiert gesteuert wird?
Was leistet Strompreisoptimierung im Heizbetrieb von Mehrfamilienhäusern?
Strompreisoptimierung verschiebt den Stromverbrauch einer Wärmepumpe in die Stunden, in denen der Großhandelspreis niedrig ist, und drosselt ihn, wenn Strom teuer ist. Das zeigt sich längst an den aktuellen Marktpreisen: Der durchschnittliche Day-Ahead-Großhandelspreis lag 2025 bei 89,32 €/MWh, ein Anstieg von 13,8 Prozent gegenüber 2024, wie die Bundesnetzagentur in ihren Strommarktdaten 2025 ausweist.
Entscheidend ist dabei weniger der Durchschnitt als die Schwankung innerhalb eines Tages. Der tägliche Preisspread, also die Differenz zwischen Tageshöchst- und Tagestiefstpreis, lag 2025 bei rund 130 €/MWh. Hinzu kommen 573 Stunden mit negativen Preisen im Jahresverlauf, gegenüber 457 Stunden im Vorjahr, während in 40 Stunden der Preis über 300 €/MWh stieg. Und genau darin steckt das Sparpotenzial: Eine Wärmepumpe, die zwei bis drei Stunden am Tag gezielt in die günstigsten Fenster läuft, zahlt am Ende einen ganz anderen Strompreis als eine, die einfach durchläuft.
Seit dem 1. Januar 2025 müssen zudem alle Stromlieferanten mindestens einen dynamischen Tarif anbieten, dessen Preis sich an den Börsenpreisen orientiert, seit Oktober 2025 sogar viertelstündlich. Für Wohnungsunternehmen heißt das: Mit dem Tarif allein ist es nicht getan, er öffnet nur die Tür. Ob sich daraus tatsächlich niedrigere Betriebskosten ergeben, hängt davon ab, ob die Heizungsanlage überhaupt in der Lage ist, auf diese Preissignale zu reagieren.
Für welche Wärmepumpen und Betriebssituationen lohnt sich Strompreisoptimierung?
Strompreisoptimierung lohnt sich vor allem dort, wo eine Wärmepumpe mit ausreichend Speichermasse arbeitet und der Betreiber echten Einfluss auf den Verbrauchszeitpunkt hat. Reine Gas- oder Fernwärmeversorgung ohne elektrische Verbraucher bietet diesen Hebel schlicht nicht, weil kein steuerbarer Stromverbrauch vorhanden ist, der verschoben werden könnte.
Im Bestand ist das noch die Ausnahme: Der Wärmepumpenanteil im gesamten deutschen Gebäudebestand liegt laut Zensus 2022 erst bei 4,2 Prozent. Bei neu errichteten Mehrfamilienhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten ist die Wärmepumpe 2025 dagegen erstmals mit 52,7 Prozent die häufigste Heiztechnik. Für Wohnungsunternehmen bedeutet das: Strompreisoptimierung wird zunächst in Neubau- und Modernisierungsprojekten relevant, während im Altbestand meist erst die Anlagentechnik nachgerüstet werden muss, bevor eine Optimierung überhaupt greifen kann.
Sobald ein Portfolio über mehrere Gebäude oder eine zentrale Großanlage mit mehr als 30 kW Leistung und über 30.000 kWh Jahresverbrauch verfügt, ändert sich zudem das regulatorische Umfeld.
Sondervertragskunde statt Standardmodul: Anlagen über 30 kW Leistung und 30.000 kWh Jahresverbrauch gelten energiewirtschaftlich als Sondervertragskunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM, viertelstündliche Lastgänge). Das ist ein anderes Regime als die Standardmodule nach §14a EnWG für einzelne Verbrauchseinrichtungen. Wer Strompreisoptimierung auf ein ganzes Portfolio skaliert, muss diesen Unterschied von Anfang an mitdenken, wie eine Einordnung von Solarize zur Vollbilanzierung im Gewerbe zeigt.
Auch innerhalb geeigneter Gebäude gibt es Grenzen: Bei sehr kleinen Pufferspeichern, stark schwankender Belegung oder Anlagen ohne jede Fernzugriffsmöglichkeit lässt sich der Betrieb kaum verlässlich verschieben, ohne den Komfort der Bewohner zu riskieren. Wenn Sie den Anlagenbetrieb heute schon planbar steuern, haben Sie die Grundlage dafür bereits gelegt.
Wie greifen dynamische Strompreise, Pufferspeicher und Lastverschiebung bei der Wärmepumpe ineinander?
Der Pufferspeicher ist das Bindeglied: Er nimmt Wärme auf, wenn Strom günstig ist, und gibt sie ab, wenn die Wärmepumpe wegen hoher Preise pausiert. Üblich sind 30 bis 50 Liter Speichervolumen je kW Heizleistung, womit sich Sperrzeiten oder Preisspitzen für rund sechs Stunden ohne spürbaren Komfortverlust überbrücken lassen.
Der Gesetzgeber hat diese Flexibilität inzwischen fest verankert: Seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet §14a EnWG steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen ab 4,2 kW Anschlussleistung zur Steuerbarkeit durch den Netzbetreiber. Im Gegenzug erhalten Betreiber reduzierte Netzentgelte im Modul 1 von rund 110 bis 200 Euro jährlich, seit dem 1. April 2025 zusätzlich zeitvariable Netzentgelte im Modul 3. Für Wohnungsunternehmen wird es damit etwas komplizierter: Netzdienliche Steuerung und marktdienliche Lastverschiebung nach Preissignal laufen parallel. Wer die im Betrieb nicht sauber trennt, riskiert, dass sich beide gegenseitig ausbremsen.
Bei zentraler Warmwasserbereitung setzt die Legionellenprävention der Verschiebung allerdings eine harte Grenze.
Hygiene vor Preisfenster: Das DVGW-Arbeitsblatt W551 schreibt für zentrale Trinkwarmwasseranlagen eine Speicheraustrittstemperatur von mindestens 60 °C und eine Zirkulations-Wiedereintrittstemperatur von mindestens 55 °C vor. Diese Nebenbedingung gilt unabhängig vom Strompreis und begrenzt, wie weit sich Warmwasserladung in günstige, aber ungünstig getaktete Preisfenster verschieben lässt.
Hier setzt KUGU EOS Strompreisdynamik an: Das System koppelt den laufenden Heizbetrieb an die dynamischen Strompreise, sodass sich die Lastverschiebung tatsächlich zum Sparen nutzen lässt, ohne dass Komfort oder Hygiene leiden.
Welche Voraussetzungen brauchen Wohnungsunternehmen: Daten, Steuerbarkeit, Reaktionsfähigkeit?
Ohne viertelstündliche Verbrauchs- und Erzeugungsdaten lässt sich kein Preissignal sinnvoll mit dem Anlagenbetrieb verknüpfen. Und genau hier hakt es aktuell am meisten: Ende 2025 waren erst 5,5 Prozent aller rund 56,5 Millionen Messlokationen in Deutschland mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet, wie eine Auswertung zum Smart-Meter-Rollout zeigt. Bei den gesetzlichen Pflichteinbaufällen wurde die 20-Prozent-Zielquote mit 23,3 Prozent zwar leicht übertroffen, doch für die Breite der Bestandsportfolios bedeutet das: Datenverfügbarkeit ist aktuell eher die Ausnahme.
Vier Voraussetzungen entscheiden darüber, ob Strompreisoptimierung im Portfolio tatsächlich funktioniert:
- Datenverfügbarkeit: Viertelstündliche Verbrauchs- und Preisdaten müssen digital vorliegen, nicht nur monatlich abgelesen werden.
- Steuerbarkeit: Wärmepumpe, Pufferspeicher und Umwälzpumpen brauchen eine Schnittstelle, über die sich Sollwerte automatisiert anpassen lassen.
- Reaktionsfähigkeit: Die Anlage muss innerhalb von Minuten auf ein neues Preisfenster reagieren können, nicht erst am nächsten Tag.
- Nebenbedingungen: Komforttemperaturen, Legionellenschutz und Netzvorgaben müssen als feste Grenzen im System hinterlegt sein, bevor automatisiert verschoben wird.
Diese vier Punkte hängen zusammen. Wenn Daten vorliegen, aber niemand steuernd eingreifen kann, bleibt es bei der Beobachtung ohne Wirkung. Kann die Anlage steuern, reagiert sie aber zu langsam, sind die kurzen Preisfenster schon wieder vorbei. Und ohne klar hinterlegte Nebenbedingungen entstehen Komfortrisiken, die sich Wohnungsunternehmen gegenüber ihren Mietern nicht leisten können. Wer diesen Zusammenhang konsequent umsetzt, setzt auf datenbasierte Heizungssteuerung.
Warum stößt manuelle Strompreisoptimierung im Portfoliobetrieb an ihre Grenzen?
Manuelle Strompreisoptimierung scheitert in der Praxis meist an der schieren Zahl gleichzeitig zu steuernder Anlagen und an inkompatiblen Systemwelten. Energiemanagementsysteme und Wärmepumpen unterschiedlicher Hersteller kommunizieren häufig nicht standardisiert miteinander, und auch Speicher oder Wallboxen fügen sich selten ohne Zusatzaufwand in eine gemeinsame Steuerung ein. Branchenexperten beschreiben genau das als zentralen praktischen Engpass für automatisierte Steuerung. Für ein einzelnes Gebäude lässt sich das noch von Hand austarieren, für ein Portfolio mit Dutzenden Anlagen nicht mehr verlässlich.
Wie groß der Unterschied zwischen bloßer Tarifwahl und aktiver Steuerung ausfällt, zeigen Studien zum Einsparpotenzial dynamischer Tarife bei Wärmepumpen: Ohne intelligente Laststeuerung liegt die Ersparnis oft nur bei 1 bis 4 Prozent, mit Energiemanagementsystem und aktiver Lastverschiebung berichtet das Fraunhofer IEG für Einfamilienhäuser von bis zu rund 30 Prozent, ein Wert, der sich wegen anderer Gebäude- und Nutzungsstrukturen nicht unbesehen auf Mehrfamilienhausportfolios übertragen lässt. Der Unterschied ist trotzdem deutlich: Ein System, das Preissignale zuverlässig in Anlagenverhalten übersetzt, spart erkennbar mehr als die bloße Wahl eines dynamischen Tarifs.
Wirtschaftlich betrachtet steht dahinter meist eine Investitionsentscheidung. Wärmepumpen-Contracting für Wohnungsunternehmen kalkuliert laut einer Beispielrechnung von Ritterwald mit rund 125.000 Euro je zentraler Anlage beziehungsweise 5.000 Euro je Wohneinheit bei monovalenten Systemen. Anders als private Eigentümer können Wohnungsunternehmen dabei nur Fördersätze bis maximal 35 Prozent der Investitionskosten nutzen, was den Automatisierungsgrad im Betrieb wirtschaftlich umso wichtiger macht, um die Investition über die Laufzeit zu amortisieren. Hinzu kommt regulatorische Bewegung: Das Gebäudeenergiegesetz wird 2026 durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst, die bisherige 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien entfällt zugunsten einer stufenweise steigenden Bio-Quote ab 2029. Das belastet Investitionsentscheidungen kurzfristig mit Unsicherheit. An der Wirtschaftlichkeit bereits installierter Wärmepumpen ändert das jedoch wenig, wenn ihr Stromverbrauch automatisiert an Preissignale gekoppelt ist. Wenn Sie das wirklich ausschöpfen wollen, kommen Sie an automatisierter Effizienz im Betrieb kaum vorbei.
Warum der Tarif allein nicht reicht
Speichermasse, Steuerbarkeit und Datenverfügbarkeit entscheiden gemeinsam darüber, ob sich ein günstiges Preisfenster tatsächlich nutzen lässt. Ein dynamischer Tarif nützt wenig, solange die Anlage nicht darauf reagieren kann. Dieselbe Wärmepumpe mit Pufferspeicher und automatisierter Steuerung macht aus genau diesem Tarif dagegen echte Einsparung.
Für Wohnungsunternehmen heißt das konkret: Sortieren Sie das Portfolio zuerst nach Eignung, danach also, wo Wärmepumpe und Pufferspeicher bereits vorhanden sind und wo die Messinfrastruktur mitspielt. Starten Sie mit Automatisierung dort, wo Datenverfügbarkeit und Steuerbarkeit bereits gegeben sind. Regulatorische Unsicherheit rund um das kommende Gebäudemodernisierungsgesetz ist dabei kein Grund zu warten, denn die Wirtschaftlichkeit einer bereits installierten Wärmepumpe hängt von ihrem Betrieb ab, nicht vom nächsten Gesetzestext.
Häufige Fragen zur Strompreisoptimierung für Heizungen
Ab welcher Anschlussleistung gilt die Steuerungspflicht nach §14a EnWG für Wärmepumpen?
Ab 4,2 kW Anschlussleistung greift die Steuerungspflicht nach §14a EnWG, und zwar seit dem 1. Januar 2024. Im Gegenzug erhalten Betreiber reduzierte Netzentgelte im Modul 1 von rund 110 bis 200 Euro jährlich, seit April 2025 zusätzlich zeitvariable Netzentgelte im Modul 3.
Wie lange kann ein Pufferspeicher die Wärmeversorgung bei Preisspitzen überbrücken?
Rund sechs Stunden schafft ein passend ausgelegter Pufferspeicher, ohne dass Bewohner den Unterschied spüren. Als Faustregel gelten dafür 30 bis 50 Liter Speichervolumen je kW Heizleistung.
Welche Mindesttemperatur schreibt die Legionellenprävention für die Warmwasserzirkulation vor?
Für zentrale Trinkwarmwasseranlagen schreibt das DVGW-Arbeitsblatt W551 eine Speicheraustrittstemperatur von mindestens 60 °C und eine Zirkulations-Wiedereintrittstemperatur von mindestens 55 °C vor. Diese Grenze gilt unabhängig vom Strompreis und begrenzt die Lastverschiebung bei der Warmwasserladung.
Ab welcher Anlagengröße gelten Wohnungsunternehmen als Sondervertragskunden mit RLM?
Ab 30 kW gemessener Leistung und 30.000 kWh Jahresverbrauch zählen Sie energiewirtschaftlich als Sondervertragskunde mit registrierender Leistungsmessung. Dann gilt ein anderes Regime als die Standardmodule nach §14a EnWG für einzelne Verbrauchseinrichtungen.
Welche Fördersätze können Wohnungsunternehmen bei Wärmepumpen-Contracting nutzen?
Wohnungsunternehmen können bei Wärmepumpen-Contracting Fördersätze von maximal 35 Prozent der Investitionskosten nutzen, weniger als private Eigentümer. Bei Investitionskosten von rund 125.000 Euro je zentraler Anlage macht das den Betrieb der Anlage wirtschaftlich umso entscheidender.





