„Im Schnitt erzielen wir über 20 Prozent Heizenergieeinsparung und senken damit zugleich Kosten und CO₂-Emissionen für unsere Kunden“

Herr von Gumppenberg, die Wohnungswirtschaft steht vor der Herausforderung, Effizienzpotenziale im Bestand konsequent zu nutzen und Gebäude zukunftsfähig zu machen. Welche Rolle spielt KUGU dabei zwischen „einfach weniger heizen“ und einer kostspieligen energetischen Modernisierung?
Christopher von Gumppenberg: Wir optimieren Heizsysteme digital und kontinuierlich, ohne umfangreiche bauliche Maßnahmen. Grundlage ist ein individueller digitaler Gebäudezwilling, der das thermische Verhalten modelliert. Ein Appell an das Nutzerverhalten ist unzuverlässig und wird oft als Komfortverlust wahrgenommen, während die klassische energetische Sanierung extrem kapital- und zeitintensiv ist. Darum setzt KUGU auf einen praxisnahen und geringinvestiven Ansatz: Diese Lösung ist Teil der KUGU Energieplattform, die alle Prozesse rund um die Energieoptimierung bündelt. Herzstück ist das Energie-Optimierungssystem (EOS), das mithilfe von KI-gestützten Algorithmen als Steuerungsebene direkt in den Betrieb eingreift und die Anlage automatisiert und bedarfsgerecht regelt.
Können Sie beschreiben, welche Daten die Lösung an einer Heizanlage erfasst und an welchen Stellschrauben sie ansetzt, um den Betrieb zu optimieren?
In vielen Bestandsgebäuden läuft die Heizung nach festen Zeitplänen, unabhängig davon, wie sich die tatsächliche Nutzung oder das Wetter im Tagesverlauf verändern. Das führt zu Energieverlusten und Kosten, die sich vermeiden lassen. EOS passt die Energiebereitstellung im 15-Minuten-Takt dynamisch an, basierend auf dem digitalen Gebäudezwilling in Kombination mit Betriebsdaten, Nutzungsverhalten und aktuellen Wetterprognosen. Ergänzend dazu sorgt unser Visuelles-Informationssystem (VIS) für volle Transparenz im laufenden Betrieb: Verbrauchs- und Leistungsdaten werden in Echtzeit dargestellt und logisch miteinander verknüpft, um fundierte Entscheidungen im gesamten Portfolio zu ermöglichen.
Welche Einsparungen beim Energieverbrauch und bei den Energiekosten lassen sich bei Ihren Kunden in der Praxis erzielen?
Im Schnitt erzielen wir über 20 Prozent Heizenergieeinsparung und senken damit zugleich Kosten und CO₂-Emissionen für unsere Kunden. 12 Prozent Ersparnis werden von uns sogar vertraglich garantiert. Für viele Bestandshalter ist darüber hinaus entscheidend, dass sich die Lösung nach einer erfolgreichen Pilotphase einfach skalieren lässt. Dank unseres digitalen Ansatzes ist das unkompliziert möglich. Mittlerweile arbeiten wir mit mehr als 90 Kunden aus der Immobilien- und Energiewirtschaft zusammen – im Wohnungsbestand ebenso wie im gewerblichen Immobilienbereich.
Eine zentrale Herausforderung in der Wohnungswirtschaft sind die sehr unterschiedlichen Gebäudebestände. Wie flexibel lässt sich die KUGU-Lösung in einem großen und heterogenen Immobilienportfolio mit beispielsweise 10.000 Wohneinheiten einsetzen?
Unsere Lösung ist exakt für diese Herausforderung konzipiert und bietet eine hohe Anschlussfähigkeit, unabhängig von Hersteller oder Energieträger – von Gas- und Ölanlagen über Fernwärme bis zur Wärmepumpe. Auch ältere, analoge Anlagen können durch einfache Sensorik digitalisiert werden. Alle Daten fließen schließlich in unserer Energieplattform zusammen, die den technischen Flickenteppich in ein transparentes, steuerbares Portfolio verwandelt und so ein einheitliches Monitoring über das gesamte Portfolio ermöglicht.
Welche Rolle spielt die Optimierung der Heizanlage in bereits energetisch modernisierten Gebäuden? Welche zusätzlichen Effizienzpotenziale lassen sich dort noch erschließen?
Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass energetisch sanierte Gebäude oder moderne Heizanlagen Selbstläufer sind. Auch moderne Technik muss richtig eingestellt und kontinuierlich an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Gerade bei Wärmepumpen, hybriden Systemen oder Fernwärme entstehen durch eine intelligente Betriebsführung zusätzliche Potenziale – etwa durch optimierte Temperaturen und Laufzeiten oder die Berücksichtigung dynamischer Energiepreise. Digitalisierung sorgt damit nicht nur im unsanierten Bestand für Effizienz, sondern hilft auch dabei, Investitionen in neue Anlagentechnik bestmöglich zu nutzen.
Lesen Sie das Interview hier nach.
