KI für die Heizungskeller der Wohnungswirtschaft

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Christopher von Gumppenberg, CEO und Mitgründer der KUGU Home GmbH Quelle: KUGU Home GmbH

BundesBauBlatt: Die Wohnungswirtschaft hat die Aufgabe, Effizienzpotenziale im Bestand konsequent zu nutzen, um Deutschlands Gebäude zukunftsfähig zu machen. Wie schließt KUGU die Lücke zwischen „einfach nur weniger heizen“ und einer teuren energetischen Modernisierung?

Christopher von Gumppenberg:  Wir optimieren Heizsysteme digital und kontinuierlich, ohne umfangreiche bauliche Maßnahmen. Grundlage ist ein individueller digitaler Gebäudezwilling, der das thermische Verhalten modelliert. Ein Appell an das Nutzerverhalten ist unzuverlässig und wird oft als Komfortverlust wahrgenommen, während die klassische energetische Sanierung extrem kapital- und zeitintensiv ist. Darum setzt KUGU auf einen praxisnahen Low-Invest-Ansatz: Diese Lösung ist Teil der KUGU Energy Suite, die alle Prozesse rund um die Energieoptimierung bündelt. Herzstück ist das Energie-Optimierungs-System (EOS), das mithilfe von KI-gestützten Algorithmen als Steuerungsebene direkt in den Betrieb eingreift und die Anlage automatisiert und bedarfsgerecht regelt.

BundesBauBlatt: Können Sie erklären, was die Lösung an einer Heizanlage „sieht“ und an welchen Stellschrauben für die Optimierung gedreht werden?

Christopher von Gumppenberg: In vielen Bestandsgebäuden läuft die Heizung nach festen Zeitplänen, unabhängig davon, wie sich die tatsächliche Nutzung oder das Wetter im Tagesverlauf verändern. Das führt zu Energieverlusten und Kosten, die sich vermeiden lassen. EOS passt die Energiebereitstellung im 15-Minuten-Takt dynamisch an, basierend auf dem digitalen Gebäudezwilling in Kombination mit Betriebsdaten, Nutzungsverhalten und aktuellen Wetterprognosen. Ergänzend dazu sorgt unser Visuelles-Informations-System (VIS) für volle Transparenz im laufenden Betrieb: Verbrauchs- und Leistungsdaten werden in Echtzeit dargestellt und logisch miteinander verknüpft, um fundierte Entscheidungen im gesamten Portfolio zu ermöglichen.

BundesBauBlatt: Welche Einsparungen bei Energieverbrauch und -kosten können in der Praxis bei Ihren Kunden realisiert werden?

Christopher von Gumppenberg: Im Schnitt erzielen wir um die 20 % Einsparung bei Energie, Kosten und CO₂-Emissionen für unsere Kunden. 12 % Ersparnis werden von uns sogar vertraglich garantiert. Für viele Bestandshalter ist darüber hinaus entscheidend, dass sich die Lösung nach einer erfolgreichen Pilotphase einfach skalieren lässt. Dank unseres digitalen Ansatzes ist das unkompliziert möglich. So ist beispielsweise nach erfolgreicher Testphase mit der Gewobag aktuell die Ausweitung auf 300 Anlagen in der Umsetzung. Mittlerweile arbeiten wir mit mehr als 75 Kunden aus der Immobilien- und Energiewirtschaft zusammen – im Wohnungsbestand ebenso wie im gewerblichen Immobilienbereich.

BundesBauBlatt: Eine Herausforderung der Wohnungswirtschaft ist die Heterogenität der Bestände. Wie universal ist die KUGU-Lösung für einen Bestandhalter mit 10.000 unterschiedlichen Wohneinheiten?

Christopher von Gumppenberg: Die Heterogenität der Anlagen mit verschiedenen Herstellern, unterschiedlichen Baujahren und diversen Energieträgern ist eine der größten Hürden bei der Digitalisierung von Immobilienportfolios. Unsere Lösung ist exakt für diese Herausforderung konzipiert und bietet eine hohe Anschlussfähigkeit, unabhängig von Hersteller oder Energieträger – egal ob Gastherme, Fernwärme oder Wärmepumpe. Auch ältere, analoge Anlagen können durch einfache Sensorik digitalisiert werden. Alle Daten fließen schließlich in unserer Energy Suite zusammen, die den technischen Flickenteppich in ein transparentes, steuerbares Portfolio verwandelt und so ein einheitliches Monitoring für alle Einheiten ermöglicht.

BundesBauBlatt: Der Fachkräftemangel betrifft auch die Wohnungswirtschaft. Wie kann KUGU dabei helfen, den Mangel an Technikern abzufedern?

Christopher von Gumppenberg: Auch in der Instandhaltung zahlt sich unser digitaler Ansatz aus: Dank frühzeitiger Erkennung von Auffälligkeiten können Probleme behoben werden, bevor sie auftreten. Sensoren melden Unregelmäßigkeiten, beispielsweise plötzliche Temperaturabfälle oder erhöhte Verbräuche, und lösen automatisch eine Alarmierung aus. Statt Arbeitszeit mit Routinekontrollen oder aufwendiger Fehlersuche vor Ort zu verschwenden, wandelt KUGU den Serviceprozess in eine gezielte, datengesteuerte Instandhaltung um. So lassen sich knappe technische Kapazitäten effizienter einsetzen, ohne die Servicequalität zu senken.

BundesBauBlatt: Welche Rolle spielt die Optimierung der Heizanlage in einem Gebäude, das bereits energetisch modernisiert ist? Bleibt die Effizienzsteigerung auch dann noch ein zentrales Thema?

Christopher von Gumppenberg: Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass ein energetisch saniertes Gebäude oder eine moderne Heizanlage Selbstläufer sind. Trotz verbesserter Gebäudehülle lassen sich im laufenden Betrieb weitere Effizienzpotenziale erschließen – etwa durch eine genauere Bewertung des technischen Anlagenzustands und durch eine Betriebsweise, die wirtschaftliche Signale aus dem Energiemarkt berücksichtigt. Ich freue mich schon sehr darauf, bei unseren KUGU Days Ende Mai neue Funktionalitäten für die KUGU Energy Suite vorzustellen. Sie markieren einen weiteren Entwicklungsschritt hin zu einem noch wirtschaftlicheren Gebäudebetrieb. So wird deutlich: Auch in sanierten Gebäuden gibt es weiterhin konkrete Möglichkeiten, Energieverbrauch, Emissionen und Kosten zu senken.

KUGU EOS optimiert das System automatisiert und spart Energie und Kosten, Quelle: KUGU Home GmbH

Diesen Beitrag finden Sie im BundesBauBlatt 5/26, lesen Sie ihn hier nach.